Exists „the famous final scene“ or is life „a neverending story“?

Als ich mein Studium erfolgreich beendet habe, war ich glücklich. „Endlich fertig!!!“, hieß es bei mir. „Jetzt nur noch das Referendariat abschließen, und dann kann das Leben beginnen!!!“, waren meine Gedanken.

Ja, zu früh gefreut. Heute weiß ich, das Leben „kommt“ nicht erst, wenn man etwas erfolgreich abgeschlossen hat, sondern es ist stets um uns. Dinge auf später aufzusparen, ist sinnlos.

Aber irgendwann muss man doch am Ziel sein, oder etwa nicht? Oder ist der Weg das Ziel? Gibt es überhaupt ein Ziel? Oder sollte man „calmly and serene“ den Dingen ihren Lauf lassen und gelassen Ausschau halten nachdem, was passieren kann und nichts forcieren respektive erzwingen?

Aber es scheint doch eine longtime her zu sein since you’ve smiled. Muss nicht endlich das glückliche Ende kommen, das jeder aus Filmen kennt, in denen sich beide küssen und so langsam the light fades from the screen und the famous final scene alles abrundet, das Leid beendet, die Sehnsucht stillt und das Happy-End endlich da ist.

Aber was folgt? Das fragt sich jeder doch, oder zumindest viele, jedenfalls ich tue das!

Na gut, die beiden werden heiraten, da steckt das Wort raten ja schon mal drin, denn niemand weiß, was passieren wird, nicht mal der Regisseur, weil nach dem Happy-End ist seine Arbeit nämlich getan.

Dann könnten noch Kinder kommen, danach höchstens nur noch die Sekretärin mit ihm und der Postbote mit ihr.

Gibt es wirklich das ewig glückliche Ende, nach dem sich viele so sehnen – mich eingeschlossen? Soll soetwas nach 17 oder 20 Jahren einfach so aus sein, kann soetwas zerstört werden oder geht soetwas zwangsläufig von alleine kaputt? Im schlimmsten Fall merken es die beiden gar nicht, dass es zerstört ist. Aber wieso dann alles? Warum die ganze Liebesmüh am Anfang der Beziehung, wenn alles noch so hoffnungsfroh erscheint, wenn beide noch so unsterblich in einander verliebt sind. Unsterblichkeit- immortality wie Céline Dion in einem ihrer Lieder so schön besingt. Unsterblich deshalb, weil jedes Mal, wenn man sich verliebt, hat man das Gefühl, unsterblich zu sein, alles mit diesem einen Menschen zu teilen, jede Sekunde und nicht bis ans Ende, sondern über das Ende hinaus. Aber über welches Ende? Das des Lebens, das der Erde? Bleibt nur noch die Frage offen, ob es überhaupt ein Ende gibt. Vielleicht ist das, was wir Leben oder Existenz nennen, eine neverending story und the rhymes keep their secret. Ein Geheimnis, das wir nie erfahren werden, nur durchleben – durch Leben. Das scheint erstmal ziemlich beängstigend zu sein, weil all das, was wir im Leben planen, entscheiden, erarbeiten, einen Zweck erfüllt, ein Endziel hat oder eine Sehnsucht stillt, etwas auf das wir solange gewartet haben. Wenn das endlich da ist, dann wollen wir es doch nie wieder hergeben, oder?

Ich selbst habe mich immer nach der famous final scene gesehnt. Ich dachte, wenn ich das Referendariat abschließe, eine Familie gründe, dann bin ich abgesichert, dann habe ich die Welt im Döschen. Pustekuchen – ich scheiterte – auf der ganzen Linie!

Die Abschlussprüfung des Referendariates habe ich zwei Mal vergeigt und damit war es das, zumindest für den öffentlichen Dienst. Meinen Freund habe ich in die Wüste geschickt, und ich hoffe, da ist er auch noch, denn so schnell will ich ihn nicht wiedersehen. Nachdem sich meine Zukunfspläne alle so ziemlich im Sande verliefen und nur noch dust in the wind sind, fühle ich mich an einem Neustart und weiß, dass Beständigkeit nur eine Illusion ist oder zumindest nur ein vorübergehender Glücksmoment. Immer wieder werden wir vom Leben zurück geworfen, um neu zu beginnen.

Veränderungen bedeuten ja nicht pauschal Verschlechterung. Ich nutze nun diesen Neubeginn, um mein Leben wertfrei zu überdenken, das Alte zu reflektieren, nachzuspüren, was es mit mir gemacht hat, wie es mich verändert, geprägt und zu dem hat werden lassen, was ich heute bin. Aber bringt mich diese Vorgehensweise zum Ziel oder zum Endziel?

Aber wenn es dieses Endziel doch nicht geben sollte, dann ist alles was wir tun, doch nur eine Befriedigung für einen ungewissen Zeitpunkt, einen Tag, einen Monat, ein Jahrzehnt? Wer weiß das schon? Vielleicht sollten wir auf dieser ungewissen Lebensreise no fears haben, die Gefahr nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance und Möglichkeit, sich zu gestalten, zu entwickeln und zu dem zu werden, was wir sind, was unsere Seele in sich trägt. Immer offen für Neues sein, keine Angst vor dem Neuanfang, den Veränderungen und dem Unbeständigen haben. Denn schon Andreas Gryphius beschrieb in seinem Gedicht „Es ist alles eitel“, die Vergänglichkeit alles Seienden:“[…] 2. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; 3. Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn […]“.

Wenn wir keine Angst vor der Vergänglichkeit des vermeintlich Beständigen haben, also loslassen können, dann können wir auch die Kraft aufbringen, Dinge neu entstehen zu lassen. Die Kraft gilt es nun, wieder in mir zu finden. Trotz der ungewissen Liebe zu ihm, darf ich auf das Leben vertrauen. Mein Wesen, meine Seele und mein ganzes Ich dürfen trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten geliebt werden – egal, ob nur von einem für alle Ewigkeit oder nur für einen gewissen Zeitraum oder doch von mehreren zu unterschiedlichen Zeiten. Die Kraft des Loslassens  It’s a birth of a new day und the answer of a neverending story.

11 thoughts on “Exists „the famous final scene“ or is life „a neverending story“?

  1. Jedes Ende ist ein Anfang!
    Toller Text, gefällt mir total🙂
    Viel Erfolg fürs Leben im Jetzt ohne großartige Gedanken an die ferne Zukunft, denn bis die da ist, haben sich noch 100000andere Sachen entwickelt und verändert😉

  2. eine interessante Melodie, die sich durch dein Leben zieht und Fahrt aufnimmt, auch wenn es sich noch nach einem lauen Lüftchen anfühlt…poetisch wahr und mit Tiefe geschrieben

  3. Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Auch bei mir war nach dem Studium ein „Mir steht die Welt offen“-Gefühl da. Und mit dem Eintritt ins Ref war es dann weg.
    Veränderungen kommen immer – und sie sind gut. Denn die halten uns jung im Kopf. Ein eintöniges Leben führen können wir noch, wenn wir alt sind. Aber vielleicht bleiben wir dann doch lieber jung im Kopf🙂

  4. Das ist ein schöner Text, der für mich – wie so oft – genau zur richtigen Zeit kommt, war ich doch gerade heute mal wieder in diesem „Erst wenn (…), dann (…)“-Modus. Ich sag‘ danke für die Denkanstöße. Das ist so schön geschrieben.
    Liebe Grüße, Meike

  5. Wunderbar, dieses Bild mit der „famous final scene“. Auch ich kenne das, mir gelang es sehr lange, den Moment zu konservieren, vieles auszublenden, aber auch die Zeit zu genießen. Neuerdings gelingt es mir nicht mehr, vor der scheinbar oder offensichtlichen Veränderung habe ich eine Riesenangst, weil ich keine Chance, sondern die Gefahr des Untergangs sehe. Das Loslassen funktioniert nicht, die Kraft kommt nicht in mich.
    Deine Beschreibung des Lebens an der Stelle ist sehr gut.

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