Delinquent wegen korrekter Falschaussage in Haft

Nachdem das Nominativobjekt alle anderen Fälle eliminiert hat, wird nun ein weiteres grammatikalisches Phänomen als vermisst gemeldet: Der Konjunktiv!

Schon bei den Ermittlungen gegen den Nominativ ließ sich deutlich erkennen, dass der Indikativ dessen Platz einnahm.

Letzten Freitag ging eine Vermisstenmeldung bei der örtlichen Grammatikpolizei im Interrogativsatz ein, dass der Konjunktiv seit zwei Tagen spurlos verschwunden sei ist.

Auf die Frage hin, wo sich der Konjunktiv befände befindet, antwortete der Indikativ wörtlich:

„Der Konjunktiv hat mir gegenüber behauptet, er hat die Syntax verlassen, weil es ihn stört, dass die meisten Menschen falsche Formen wie z.B. „bräuchte“ verwenden oder aber Ausweichformulierungen mit „würde“ benutzen. Er sagte, das ist unter seiner Würde.

Damit gab sich die Kripo „Duden“ nicht zufrieden und forschte weiter. Herauskam, dass der Indikativ zwar die Wahrheit gesagt hat, obwohl er den Konjunktiv vermied, aber er hat verschwiegen, dass er an dem Verschwinden nicht unschuldig ist.

Dies ist laut grammtikalisches Strafgesetzbuch (gStGb §1258) nicht verboten, denn niemand muss sich selbst einer Straftat bezichtigen.

Die zuständigen Beamten haben herausgefunden, dass der Indikativ den Konjunktiv entführt hat und für seine Freilassung Bedingungen an die Syntax stellt:

  1. Die Menschen sollen häufiger den erweiterten Indikativ benutzen, statt stilistisch unschöne Formulierung mit damit zu bilden.
  2. Die Menschen sollen nur vor dem erweiterten Infinitiv ein Komma setzen, dort aber verflichtend.
  3. Die Menschen sollen ihn, den Indikativ, nicht ständig mit dem Gerundium verwechseln und ihn nicht mehr groß, sondern kleinschreiben, er sei kein Nomen.

Die Grammatikpolizei hofft auf Ihre Mithilfe, dem Indikativ seinen natürlichen Lebensraum wiederzugeben, so dass er den Konjunktiv wieder freilässt. Beide Modi werden dringend in der deutschen Sprache gebraucht, um Sinn und Inhalt der gesprochenen Sprache zu transportieren.

Der Indikativ wird wegen seiner korrekten Aussage, die aber grammatisch falsch war, vierzig Tage und vierzig Nächte in Haft genommen, um seine Schuld zu sühnen.

©schwarzeelster

2 thoughts on “Delinquent wegen korrekter Falschaussage in Haft

  1. Doch wäre es denn wirklich hilfreich, dem Konjunktiv so zur Flucht zu verhelfen? Bestünde nicht das Risiko, dass er schnellstens wieder eingefangen würde?
    Vom Indikativ, welcher doch den Konjunktiv in seinem Heim vermisste? Dessen wohlige Gesellschaft im Sicherheit gab, dessen Dasein ihm fehlte?

    Redete man mit dem Indikativ und versuchte, eine kleine Freundschaft oder gleichberechtigte Partnerschaft zwischen beiden zu vermitteln, bestünde doch die kleine Möglichkeit, dass beide – nach kurzer Weile – die geistige Reife entwickeln könnten, dem jeweils anderen die Freiheit zur eigenen Existenz im Rahmen friedlicher Gemeinschaft zuzugestehen.

    Verpflichtend könnten wir uns die Aufgabe zu eigen machen, diplomatisch vermittelnd einzugreifen.
    😉

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