Flower power – Totgeglaubte leben länger

CIMG0035Also, ich weiß ja nicht, wie andere Frauen das sehen, aber ich hasse Rosen. Nagut, am Strauch oder festgewachsen, mögen sie ja ganz hübsch aussehen, aber geschenkt möchte ich sie nicht bekommen.

Mein Ex-Freund hat mir immer Rosen geschenkt, wenn er ein schlechtes Gewissen gehabt hat. Statt sein Verhalten zu reflektieren, mich als Partnerin ernstzunehmen oder einfach mal sensible (nicht zu sentimental) zu sein, kompensierte er dieses Unvermögen mit Rosen verschenken.

Rosen und Neurosen gehören für mich zusammen. Das eine löst das andere bei mir aus. Jon Bon Jovi würde bei mir achtkantig aus dem Schlafzimmer fliegen, wenn er mich auf ein bed of roses legen wollen würde. Das tut doch weh, mein Gott die haben Stacheln. (Botanisch gesehen, haben Rosen keine Dornen, sondern Stacheln. Dornen findet man eher bei Schlehen, also heckenähnliche Gewächse.)

Auch finde ich Rosen nicht romantisch, sondern eher einfallslos, weil alle sie mit Liebe verbinden, da es zum Mainstream gehört.

Für mich haben sie nichts besonderes, verlieren schnell ihre Blätter und wenn man sie aus der Vase nehmen will, piekst man sich an den Dornen – quatsch Stacheln.

Aber nun zurück zu meiner Intention, diesen Artikel zu schreiben. Vor ca. einem dreiviertel Jahr kaufte ich für unser Büro eine Amaryllis, da ich sie so besonders finde. Es ist spannend den Amaryllen beim Wachsen zu zu sehen. Schon allein deswegen, weil man nie so genau weiß, wann die Wurzel anfängt, erste Blätter hervorzubringen.

Als ich die Blume kaufte, hatte sie bereits grüne Blätter, aber halt noch keine roten Blütenblätter. Ich wartete sehnsüchtig darauf, dass diese endlich zum Vorschein kamen. Lange Zeit ging ins Land und ich musste zur Berufsschule. Und als ich drei Wochen nicht regelmäßig im Büro war, sondern nur für eine Stunde nach der Schule, da kamen sie endlich.

Das bedeutet also, ich hatte so gut wie gar nichts von ihrer Blütezeit. Dann musste ich natürlich nach dem Ausblühen die ganzen Blätter abschneiden, sodass nur noch die Wurzel allein im Töpfchen übrig blieb. Lange Zeit stand nur der Wurzeltopf im Büro. Vor zwei Wochen wollte ich sie schon in den Abfall werfen, weil ich dachte, sie kommt nicht mehr, weil sie ausgetrocknet ist. Aber dann plötzlich meinte mein zweiter Ausbilder zu mir: „Du, Deine Pflanze hat so komische grüne, kleine Blätter.“

Ich wie von der Tarantel gestochen auf zur Amaryllis und betrachtete das Wunderwerk. Und tatsächlich, dort sah ich die ersten kleinen grünen Pflanzenblätter hervorsprießen. Ich war so happy. Und heute, zwei Wochen nach diesem wundervollen Ereignis sind die Blätter schon sehr deutlich zu erkennen.

Amaryllen- immer wieder für eine Überraschung gut. Und deshalb symbolisieren diese Blumen für mich die Liebe. Sie lassen sich nicht zum Blühen zwingen. Die ersten Blätter kommen überraschend und auch die Blütezeit lässt lange auf sich warten und dann, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, ploppen die ersten roten (manchmal auch weiß, rosa…) Blütenblätter auf.

Die Liebe ist genauso für mich wie diese Blumen, weil sie genauso überraschend ist. Immer wenn man meint, jetzt hat man sie ergründet, meint, sie berechnen zu können, macht sie einen einen Strich durch die Rechnung und lässt auf sich warten. Und dann, wenn man meint, Hopfen und Malz seien verloren, dann kommt sie in ihrer schönsten Blüte hervor und verzaubert einen den Tag, die Woche, das Jahr und vielleicht sogar das Leben.

Mit anderen Worten Amaryllen – völlig wider aller Konventionen – sind nebst Tulpen meine Lieblingsblumen.

Morgen gibt’s ein Foto…

5 thoughts on “Flower power – Totgeglaubte leben länger

  1. Rosen und Neurosen, stimmt haargenau! Ich stimme Dir in allem zu! Eine wunderbare Assoziation hast Du da geschaffen, und das ohne ellenlange Texte! Respektvolle Grüße, Julia! Ich freue mich auf das Foto…

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