Sein, die ich bin

Schon als kleines Kind habe ich gelernt, so wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung. Das, was ich tue, hat schlimme Konsequenzen für mich und sei es nur das Bohren in der Nase. Alle anderen in der Familie dürfen es, da ist das etwas anderes, aber bei mir ist es fatal. Die anderen Kinder in meinem Ort wurden in ihrem Handeln bestärkt. Das zeigte sich schon darin, dass deren Bilder und Kunstwerke aus dem Kindergarten zu Hause aufgehängt wurden, während meine irgendwo im Keller landeten oder in jedweden Schubladen. All das, was ich tat, hatte keinen Mehrwert, auch wenn ich dasselbe tat, wie alle anderen Kinder meines Alters.

Heute bin ich dementsprechend eingeschüchtert und falsch programmiert, da ich immer noch denke, dass mein Handeln in Schule und Beruf keinen Mehrwert hat – vielleicht eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Ich traue mir wenig zu, bin mutlos und denke, alle anderen Menschen auf dieser Welt sind bessere Menschen als ich.

Nie habe ich gelernt, dass man mich auch mit meinen Schwächen lieben kann,  dass ich nicht perfekt sein muss, damit man mich lieben oder akzeptieren kann.

Stets habe ich das Gefühl, ich müsse mich für andere aufopfern, ihnen dienen, alles recht machen, um ein guter, akzeptierter Mensch zu sein. Ich glaube, das ist im Stillen auch der Grund für meine Beziehungsängste: Ich kann mich nicht ohne Scheu zeigen, da ich Angst vor Zurückweisung und daraus resultierenden Verletzungen habe.

Doch im Grunde habe ich zunächst Angst davor, meine Schwächen Solitary man zu zeigen, da ich Angst habe, er könne mich nur alleine wegen dieser Schwächen nicht lieben. Dann entsteht in mir ein Konstrukt aus Gedanken, die mir sagen: „Wenn Du Dich so und  so veränderst, schlauer, fleißiger, dünner, gerader etc. wärest, dann würde er Dich nicht verschmähen – selbst schuld.

Deshalb versuche ich in der kommenden Woche mir meiner Schwächen und Stärken mir bewusst zu werden und mich mit ihnen zu solidarisieren, sie annehmen – alles kann, nichts muss.

2 thoughts on “Sein, die ich bin

  1. Vieles von dem was Du schreibst kommt mir sehr bekannt vor.
    Ich bin in ähnlicher Weise erzogen worden, und es hat mich sehr viel Mut und Kraft gekostet, einen sehr großen Teil davon los zu werden.
    Ich hatte da glücklicher Weise auch die Hilfe einer sehr einfühlsamen und kompetenten Therapeutin.
    Ich hab allerdings auch immer noch hier und da Punkte, an denen ich noch zu knabbern habe, besonders was das Wertschätzen und Annehmen von eigenen Erfolg anbelangt, oder das Annehmen der Wertschätzung durch andere.
    Da hab ich noch ein Stück arbeit vor mir.

    Mir hat da auch einiges an Lektüre geholfen, z.B. die Bücher von Alice Miller („Am Anfang war Erziehung), Barbara Walker „Vergiftete Kindheit“ oder auch von John Bradshow („Das Kind in uns“, „Wenn Scham krank macht“).

    Es ist ein Prozess, der Zeitbrauch. Setz Dich also nicht unter Druck oder fühl Dich schlecht, wenn das Voranschreiten langsam zu sein scheint.🙂

    Ich wünsch Dir sehr viel Kraft, Vertrauen in Dich selbst und Geduld.
    Es lohnt sich auf jedenfall!😀

    LG
    Siat

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