Schau mir in die Augen Kleines…

Also Mr. Stielauge hat echt wilde Phantasien. Seit meinem Referendariat habe ich mir angewöhnt oder angewöhnen lassen, dass ich Menschen direkt in die Augen sehe.

So auch bei Mr. Stielauge, wenn ich mit ihm z.B. ein Kundengespräch führe. Da ich häufig schreibe, kann ich ihn sogar während der Aufnahme meiner Notizen ansehen.

Der Vorteil dabei ist, dass er mir dann nicht unbemerkt auf meine Brüste starren kann. Doch, was soll ich sagen – es ist ihm unangenehm, dass ich schreiben kann, ohne dabei aufs Papier, sondern ihm ins Gesicht zu sehen.

Er sagte doch tatsächlich, das sei ihm suspekt. Ich denke, er hat einfach Angst, dass er beim Glotzen ertappt wird. Doch dem nicht genug.

Er fügte auch noch hinzu, dass wir Menschen alle bloß nur Tiere seien – da gebe ich ihm Recht –  und dass intensiver Blickkontakt in der Tierwelt sexuelles Interesse signalisierte. Und da wurde mir schlagartig klar, dass Mr. Stielauge zu der Tierrasse gehört, deren adäquater Lebensraum der Käfig ist. Blickkontakt gleich Sehnsucht nach Fickkontakt.

Ich war bass erstaunt. Dieser arrogante Sack. Nicht dass er sich erdreistet, meine primären und sekundären Geschlechtsorgane penetrant zu inspizieren – zum Glück nicht zu penetrieren – nein, er postuliert, ich sei diejenige, welche Interesse hege und er nur das arme Opfer, dass meinen Avancen  nicht widerstehen kann. Wahrscheinlich kann ER wieder stehen und schiebt es mir in die Schuhe. Ich schaue Menschen in die Augen, weil ich sie ergründen will und Mr. Stielauge sehe ich an, damit er mir nicht unbemerkt meine Brüste wegsieht – obwohl so eine Körbchengröße er ruhig okular absorbieren könnte, aber der Rest bleibt, wo er ist.

Der Typ hat doch nur ein schlechtes Gewissen und schiebt mir den schwarzen Peter unter. Ihm ist es peinlich, dass er gaffen muss und sich auch noch beobachtet fühlt. Da er daran nichts ändern will, sucht er einen praktikablen Weg mich von meiner strengen Augenkontrolle abzuhalten.

Ich sehe ihn ja nicht mit Bambi – Augen naiv an, sondern kritisch. Im Tierreich – lieber Mr. Stielauge – bedeutet intensiver, starrer Augenkontakt „Angriff“ und wer als erstes wegsieht, hat verloren. Na ja, bei seiner These war eher der Wunsch Mutter seiner schmutzigen Gedanken.

Wenn er mich noch mal auf meine Augenkontrolle anspricht, werde ich diese mit den Worten einstellen: „Ich sehe trotzdem alles.“

Versteht einer die Männer! Humphrey Bogart hätte sich gefreut, wenn Ingrid Bergman ohne Aufforderung ihm so intensiv in die Augen gesehen hätte. Nun ja, „Casablanca“ ist ja auch ein Liebesfilm und von Liebe sind wir ja ganz weit entfernt bei Mr. Stielauge.

3 thoughts on “Schau mir in die Augen Kleines…

  1. Kannst Du nicht demnächst eine Kollegin oder Kollegen mit zu einem Gespräch mit Mr. Stielauge nehmen? Vielleicht lässt er es dann bzw. Du kannst ihn dann einfach fragen: Sagen Sie mal Herr Stielauge, wo schauen Sie die ganze Zeit denn hin? Ist da ein Fleck? Vielleicht merkt er es gar nicht mehr wie sehr er starrt. Man kennt das von Menschen, die ihr eigenes Parfum nicht mehr riechen und immer mehr drauf sprühen.

  2. Oder in die Offensive gehen und knallhart sagen:“ Soll ich den BH gleich ausziehen und das Shirt hochziehen, man würde wesentliche Details dadurch besser sehen!“
    Na wenn er dann nicht schnallt was los ist dann kann ihm sowiso keiner mehr helfen…
    Schocktherapie sozusagen…

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