What a difference a girl makes

Letzte Woche fragte ich mich, ob Männer wirklich alle Machos sein müssen, oder ob es auch Männer gibt, die keine Machos sind.

Ich kam auf die Frage, als ich das Buch „Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“ von Ute Erhardt las. Grundthese war, dass viele Frauen sich und ihr Leben vernachlässigten und sich von Männern abhängig machten. Angeblich sei das Tragen von Röcken und Stöckelschuhen auch eine Form der Unterwerfung, da Frau mit diesen nicht so große Schritte machen könnte und sich so in Zurückhaltung üben sollte. Frauen säßen eher in geschlossenen Positionen (Beine übereinander geschlagen, schmal machen) und Männer eher breitbeinig.

So weit, so gut! Keine Ahnung, ob ihre Thesen stimmen, aber ich machte den Test auf unserer Firmentagung: Ich habe mich auch mal „breit“ hingesetzt. Da habe ich noch keine Reaktionen war genommen, die mein Verhalten kritisierten.

Aber auf der Zugrückfahrt fiel mir einiges auf. Ich fuhr mit vier Männern alleine nach Hause. Im Zug angekommen musste ich etwas in die kleinen Mülleimer werfen und tat dieses auch. Der Metalldeckel fiel wieder zu und die Klappe meines Kollegen ging auf: „Musst Du immer so laut sein.“

Meine Gedanken: „Ich laut? Seit wann? Ich bin doch immer still und zurückhaltend und wenn ich auch mal etwas tue, bin ich laut?“

Meine verbale Antwort:“Ja!“ Dann ignorierte ich die Situation und wechselte das Thema. Die nächste frappante Situation war die beim Umsteigen, als ich meinen Koffer von der Ablage holen wollte. Ich entschloss mich dazu, auch mal „Gentleman“ zu sein und hob den Koffer einer meiner Kollegen auch von der Ablage. Der war so geschockt, der sagte nicht mal „Danke“.

Wie wir sehen, sehen wir, Emanzipation ist eine Erfindung von Alice Schwarzer. Über sie habe heute im Radio Vorwürfe ob Steuerhinterziehung vernommen. Na ja, vielleicht hat sie ja ihr vermeintliches Steuerplus an ein Frauenhaus gespendet, wenn es denn stimmt – der Zweck heiligt doch die Mittel.

Zurück zur Emanzipation: Da steckt das Wort Man(n) ja schon latent drin, eigentlich müsste es „E-frau-zipation“ heißen.

Schaue ich mir die klassischen Liebesfilme an, merke ich, dass die Frauen häufig von dem Mann, den sie lieben und der angeblich sie liebt, abhängig sind. Weibliche Zuschauer bekommen ein Frauenbild suggeriert, das ihnen vorgaugelt, Leiden unter der Abhängigkeit ist eine Form der Liebe.

Beispiele? Als Erstes fallen mir „Die Dornenvögel“ ein. Er: Priester und total vernarrt in seine klerikale Karriere. Sie: deutlich jünger, verliebt, verzweifelt und duldet alles, was seine verschmähte Liebe ihr antut.

Zweites Beispiel: „Giulia“, ein italienischer Film von 1989, der aus welchem Grunde auch immer seit 15 Jahren nicht mehr im Free TV läuft. Giulia und Ermes kennen sich seit Jugendtagen, verlieben sich auch, doch er heiratet eine andere. Da er Arzt werden will, bietet es sich natürlich an, die Tochter seines zukünftigen Arbeitgebers zu heiraten. Giulia heiratet jemand anderen und bekommt mit diesem einen Sohn, der nach der Scheidung mit ihr und der Haushälterin lebt. Die Liebe zwischen Giulia und Ermes blüht immer wieder auf, doch er kehrt immer zu seiner Frau und der gemeinsamen Tochter zurück. Erneut wird Liebe als verzweifelter Kampf um Erfüllung dargestellt. Wieder kämpft die Frau, während der Mann die Zügel in der Hand zu haben scheint.

Lange Jahre habe ich mir immer solche Beziehungen gesucht, die aussichtlos waren und in denen ich leiden konnte, weil ich dachte, das sei Liebe.

Heute verliebe ich mich immer noch kompliziert, aber ich leide nicht mehr, weil ich weiß, Leiden ist keine Liebe, Liebe ist Erfüllung im Hier und Jetzt und keine Jenseitsvertröstung.

Apropos Erfüllung: Ist die Amaryllis (Titelbild) nicht eine wunderbare Erfüllung?

One thought on “What a difference a girl makes

  1. Mal wieder eine sehr schöne und stimmige Reflektion einer gesellschaftlichen Konvention.
    Danke dafür.
    btw. Das Leiden in der Liebe ist nicht nur euch Mädels vorbehalten, einige Kerls schaffen das auch😉

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