Wo kein Richter, da kein Henker?

Die letzten Tage des Selbstzweifelns haben mich noch weiter zum Nachdenken gebracht und mir fiel auf, dass ich einen inneren Richter in mir habe, der mich straft und für mein „So-Sein“ verurteilt. Alles, was ich bin, was mich ausmacht, wird bewertet und danach entwertet, so dass kein gutes Haar mehr an mir gelassen wird.

Ich frage mich die ganze Zeit, woher dieser Richter kommt und warum er mich nicht sein lässt. Es ist derselbe Richter, der auch mich innerlich an der Arbeit verurteilt und mir ein schlechtes Selbstwertgefühl gibt. Ständig denke ich, ich müsse anders, besser und so sein, wie mich der Richter haben will, ich verstelle mich, bin nicht mehr ich selbst und verliere mein Gesicht.

Klar muss man sich in einer Gesellschaft anpassen, den Egoismus auch mal in den Hintergrund stellen, aber man sollte dabei nicht sein Gesicht verlieren. Und genau das habe ich verloren. Jetzt weiß ich auch, warum ich früher häufig davon träumte, dass ich beim Anblick meines Spiegelbildes immer eine willkürliche, andere Person (Frau/Mädchen) gesehen habe. Ich erschrak, ich fand mich nicht wirklich hässlich, aber ich mochte das Gesicht nicht und wollte nicht so aussehen – das war nicht ich.

In den nächsten Tagen werde ich versuchen, mein eigener Richter zu sein, der gnädig mit mir ist, mir Fehler verzeiht und das versucht in die Arbeit hinein zu bringen, das ihm wichtig ist und seine Kreativität darin auslebt.

7 thoughts on “Wo kein Richter, da kein Henker?

  1. Eine kleine Lebensgeschichte mit einem zaghaft versöhnlich klingenden Ende, mit einem Richter, der Gnade vor Recht ergehen lässt. Doch woher kommt der Richter überhaupt, ist er denn notwendig?
    Liebe Grüße
    Marlis

    • Hallo Marlis, ich weiß nicht , woher der Richter kommt. Manchmal denke ich, es ist ein Relikt aus meiner Erziehung. Besonders meine älteste Schwester geht besonders hart mit mir ins Gericht. Sie sieht nicht meinen guten Willen und Dinge, die ich neben meiner Ausbildung leiste.
      Liebe Grüße
      Schwarze Elster

  2. Ich weiß nicht genau, was ich schreiben soll. Und doch wollte ich schon bei deinem letzten Beitrag etwas schreiben. Dir meine Anteilnahme zeigen und vielleicht auch sagen, dass es mir momentan ähnlich geht. Aber eben so, dass es nicht nach Gejammer klingt. Sondern als Verstehen und Anteilnahme. Ich hoffe es ist mir etwas gelungen.

    • Hallo Susi, danke für Deinen Kommentar. Ja, es ist so angekommen. Du hast Recht, dass Jammern nicht immer optimal ist, aber dennoch sollte man seinen Gefühlen Ausdruck verleihen. Liebe Grüße, Schwarze Elster

  3. Seinen Erwartungen nicht gerecht werden zu können ist durchaus nicht selten. Wer sich Ziele setzt und diese nicht erreicht, hat keinen Grund sich deswegen schlecht fühlen zu müssen. Mit sich selbst zu hart ins Gericht zu gehen ist dann wohl der einzige eigene Fehler. Das eigene Wesen von anderen beurteilen zu lassen und zu sehen, dass das eigene Urteil zu hart ausfällt kann vllt helfen.
    Man muss nur jemanden finden, den man über sich urteilen lassen möchte.

  4. „Irgendwo steht doch geschrieben, du sollst deine Feinde lieben.“

    „https://www.youtube.com/watch?v=5RLYQdUKe2s“

    Wenn deine beste Freundin wäre wie du, wenn sich sich verhalten würde wie du, würdest du sie verurteilen? Würdest du über sie richten? Würdest du hart mit ihr ins Gericht gehen? Wir sind zu uns selbst immer viel strenger als anderen Menschen gegenüber. Sich selbst ein guter Freund zu sein, braucht seine Zeit. Ich arbeite auch daran.

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