Glaube und Schuld

Ich liebe es, Verstrickungen zu lösen, die Ordnung wieder herzustellen.

Schon als kleines Kind war ich eine Verfechterin des Rechts, verpönte das Unrecht und habe mich gewundert, warum so viel Unrecht hingenommen und toleriert wird.

Jüngst die Aussage von Herrn Gauck, der Friede sei nicht die einzige Auslegung der Bibel oder der Christenheit, hat mich zu tiefst schockiert.

So oder so ähnlich müssen sämtliche Krieger sowie Kriegsverfechter im Namen der Religion argumentiert haben.

Mit derselben Logik könnte auch ein pädophiler Priester seine Schandtaten legitimieren, indem er Matthäus 15.11 zitiert :“ Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.“

Damit ist das Schlucken ja wohl auch ein Wille Gottes.

Eine gerechte Strafverfolgung gibt’s dann wohl doch nur im Tatort, bei Bella Block oder bei Wilsberg im Fernsehen. Die reale Justiz kümmert sich doch wohl lieber um die leicht zu lösenden Fälle wie z.B. um eilige Fußgänger, die Angst im Dunkeln haben und deshalb einsam und verlassen eine rote Ampel passieren.

Ich musste mal 30€ bezahlen, weil ich angeblich nicht richtig angeschnallt war, will heißen, mein Gurt lag an der Schulter nicht richtig an. Aber wenn bei uns in der WG eingebrochen wurde, Laptops gestohlen wurden und Schmuck weggekommen ist, wird Dienst nach Vorschrift gemacht. Wie bzw. wie intensiv die Polizei ermittelt hat, kann ich nicht sagen, jedoch fehlen die Ergebnisse.

Meine Erkenntnis nach 30 Jahren ist die, dass ich nie gelernt habe, Konflikte auszutragen, sondern immer zu kuschen, weil ich denke, andere hätten mehr Rechte als ich. Dennoch bin ich es leid, immer nur Ja und Amen zu allem zu sagen, besonders da ich gemerkt habe, dass diejenigen mit einer größeren, arroganteren Klappe weiter kommen und mehr akzeptiert werden als ich. Aber ich bin ja immer lieb und nett, ertrage alles und wenn ich mal nicht alles mache, bekomme ich es auf’s Butterbrot geschmiert. Super Konditionierung.

Plan für die nächsten Wochen: Ich übe mich mal im Nicht-Nett-Sein, was nicht bedeuten soll, dass ich jetzt jedem unfreundlich entgegentrete, sondern nur, dass ich nicht mehr jedem in den Hintern krieche. Denn wer anderen in den Arsch kriecht, muss sich nicht wundern, wenn er Schei*ße im Kopf hat.

Glaube und Schuld gehören immer zusammen, auch im Geschäftsleben: Es gibt einen Gläubiger, der glaubt, dass er sein Geld wiederbekommt und einen Schuldner, der seine Schuld bei seinem Gläubiger begleichen muss. Mit an deren Worten Kreditor (von lat. crédere=glauben) und Debitor (von lat. debere = schulden).

Wir kennen crédere auch aus der Kirche: das Credo bzw. Glaubensbekenntnis und debit ist das englische Wort für Schuld.

Ich war immer diejenige, die geglaubt hat, die an das Gute im Menschen geglaubt hat, dass die Welt und die Menschen auch freundlich reagieren, wenn man freundlich zu ihnen ist.  Pustekuchen! Leider musste ich die Erfahrung machen, dass dieses nicht immer der Fall ist.

Häufig habe ich freundlich oder sachlich reagiert, obwohl man nicht nett zu mir war und ich dachte immer, dass es Anstand sei. Heute weiß ich, es war töricht, da mein Verhalten ausgenutzt wurde und ich meine Bedürfnisse hinter die der Anderen gestellt habe. Vielleicht war ich nicht nur Gläubige, sondern auch eine Schuldhafte, indem ich mir und meiner Persönlichkeit, die sich entfalten wollte, schuldig geworden bin.

Nach und nach versuche ich meine Grenzen meinen Mitmenschen aufzuzeigen. Natürlich nur dann, wenn ich spüre, dass eine solche Grenze überschritten ist. Bei Vorgesetzten oder bei Menschen, von denen ich abhängig bin bzw. meine, abhängig zu sein, fällt mir das besonders schwer.

Einmal habe ich es allerdings geschafft, Paroli zu bieten. Da habe während meines Studiums beim Bäcker (große Kette) gejobbt und ein vermeintlicher Gast hat sich bei mir beschwert, warum keine der beiden Bedienungen an der Theke sei. Da habe ich nur zurück geschnauzt, dass sehr viel Betrieb sei und ihn gefragt, was ihn das überhaupt anginge. Ein paar Sekunden später stellte sich heraus, dass jener der Chef persönlich (sein Nachname = Name der Kette) war. Na ja, was soll ich sagen, der Mensch war danach super freundlich zu mir und ist mir fast in den Allerwertesten gekrochen. Mir persönlich war der Vorfall natürlich oberpeinlich.

One thought on “Glaube und Schuld

  1. Es ist manchmal sehr schwer in der heutigen Zeit an Gerechtigkeit zu glauben. Erlebt habe ich Gerechtigkeit aber dennoch, an Stellen wo ich sie nie erwartet hätte und ja Gott machte hierfür Menschen zu seinen Werkzeugen, die wohl nichtmal an Gott glaubten.

    Es gibt sie noch die Gerechtigkeit und aufzuhören, daran zu glauben ist der falsche Weg. Und nein – es verlangt keiner von uns immer nur nett und fröhlich zu sein!

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