Ton, Steine, Scherben – Ende oder die Puzzleteile für etwas Neues?

Vor eineinhalb Jahren habe ich an einem Waldorf-Seminar (Um Nachfragen vorzubeugen: Nein, ich kann nicht meinen Namen tanzen! Und nein, wir haben es dort auch nicht gelernt!) teilgenommen, bei dem wir die Entwicklungsstufen eines Fötus bis zum Embryo aus Ton nach getöpfert haben. Am Ende mussten wir die geformten Objekte, die ja noch nicht hart waren, kaputt reißen und in Bruchstücken in den Kreis werfen.

Für mich als Möchte-Gern-Mami war das schwer. Das ganze Seminar hat mich sehr berührt, das was der Dozent sagte, wie er die Zeugung, Entwicklung des Fötus bis zur Geburt schilderte, hat mich im Innersten meiner Seele  berührt und mich auch traurig gestimmt, weil ich das Gefühl habe, dieses Wunder nicht erleben zu dürfen.

Ich war so unendlich traurig, dieses Geschöpf, was ja im Grunde nur Ton war, aber durch meine Kreativität gestaltet wurde, wieder zu zerstören. Es klingt absurd, aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, ich würde dieses Kind abtreiben.

Als ich Dir vom Töpfern erzählte, sagtest Du, Du hättest den Ton wahrscheinlich geworfen. Zunächst dachte ich, es seien schlechte Erfahrungen mit Ton während Deiner Schulzeit gewesen, die Dich diese Worte haben sagen lassen. Doch gestern kam mir ein anderer Gedanke. Etwas hat Dich zerrissen, etwas hat Dich zerstört und Dir Dein Leben in Scherben vor die Füße geworfen, es hat Deine Träume, Pläne zerbrochen und Dich verletzt.

Viele Dinge sind auch in meinem Leben zerbrochen. Erst macht es mich traurig, dann wütend und am Schluss denke ich an einen Satz, den mir ein damaliger guter Freund – kein Partner –  gesagt hat, als mein Papa im Garten meinen Kindertisch, an dem ich sehr hing, umgewälzt hat.

Er sagte: “ …dann mach halt ein Gedicht draus.“

Dieser Satz hängt in meinem Gedächtnis fest – Immer wenn irgendetwas schief läuft, etwas zerbricht, das mir am Herzen hängt, dann versuche ich etwas Schönes daraus zu kreieren.

Es gibt Flecken in Tischdecken, die ich gerne mithilfe der Batik-Technik umgestalten möchte, zerbrochene Vasen, Teller oder Tassen werden von mir als Blumentöpfe oder ähnliches weiterbenutzt. Manche Dinge scheinen nur kaputt und zerstört zu werden, weil sie ihren eigentlichen Sinn nicht mehr erfüllen. Zunächst sind wir vielleicht wütend, weil  wir meinen, uns wurde etwas genommen. Ergriffen von der Wut vergessen wir, dass diese Dinge immer noch einen Zweck erfüllen können – wir sehen ihn bloß nicht wegen der Wut.

Vielleicht sind zerbrochene Dinge nicht kaputt, sondern nur anders. Wir müssen ihnen einfach eine neue, kreative Gestalt geben – etwas Anderes, Schönes daraus machen.

Ich für meinen Teil habe aus der Töpfergeschichte damals den Entschluss gefasst, den Fötus zu Hause mit Ton ein zweites Mal zu töpfern. Zwar bin ich künstlerisch total unbegabt, aber ich habe es gewagt. Meine selbstgemalten Weihnachtsbilder hätte ich an SOS-Kinderdorf verkaufen können und die hätten damit total viel Mitleid erregen können, aber egal. Zurück zur Skulptur.

Ich töpferte meinen Fötus nach und noch heute hat er einen Ehrenplatz bei mir im Zimmer und ich gebe auf ihn Acht.

 

…Zum Bild: Ich fand dieses von dem Ton-Fötus am eindrucksvollsten, weil er hier eine klassische Pose einnimmt und fast „echt“ wirkt….

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