Anekdote zur Senkung des Liebesideal oder I just want you to know who I am

Vor ca. zehn Jahren war ich in einen Jungen verliebt, ohne ihm meine Gefühle zu gestehen, weil ich Angst hatte verletzt zu werden. Stattdessen suchte ich aber immer wieder seine Nähe, blieb kühl und hoffte doch stets, dass er den ersten Schritt auf mich zu unternimmt und mir seine Liebe gesteht.

Zu diesem Zeitpunkt war er aber in einer Beziehung und ich hoffte, er würde sich von Nadine trennen. Ich litt wie ein Hund, fragte mich, warum er nicht merkt, dass ich so viel für ihn empfinde und war sauer, dass wir es nicht schafften, zusammen zu kommen.

Irgendwann hatte ich dann einen anderen Freund, den ich zwar nicht liebte, aber sehr mochte. In dieser Zwischenzeit trennte sich Christian von Nadine und ich war traurig, dass wir wieder die Gelegenheit verpasst hatten, zusammen zu kommen.

Als ich nach ein paar Jahren über ihn hinweg war, erzählte ich ihm, wie ich damals in ihn verliebt war und dass ich es traurig finde, es nicht miteinander probiert zu haben. Er wusste gar nicht, was er sagen sollte, denn von meinen Gefühlen hat er nie etwas mitbekommen. Er meinte sogar, dass es mit uns hätte etwas werden können – meine Angst war also unberechtigt.

Mittlerweile glaube ich, dass ich Angst davor habe, verletzt zu werden, weil Liebe bei mir in der Vergangenheit immer ‚Enttäuschung‘ bedeutet hat. Das ist der Grund, weshalb ich meine Gefühle zu Eis werden lasse, wenn ich verliebt bin.

Am Anfang ist ja auch immer alles schön und ich habe Hoffnung, doch dann kommt meine Angst und ich gehe auf Distanz, werde kühl, idealisiere die Liebe und mein Gegenüber versteht nicht, warum ich so kühl bin und lässt mich links liegen.

Deshalb haben auch immer nur die ‚Falschen‘ bei mir eine Chance, weil ich bei diesen locker sein kann. Hier gehe ich nicht auf Distanz, denn hier kann ich die Situation kontrollieren und selbstständig verhindern, dass mir weh getan wird.

Aber wer liebt, läuft immer Gefahr, verletzt zu werden. Das sehe ich ja jetzt. Ob ich solitary man meine Liebe gestehe oder nicht, ist letzten Endes egal, denn verletzt bin ich sowieso. Vielleicht wäre ich nicht so verletzt worden, wenn ich offener gewesen wäre.

Vielleicht lag es im Grunde an mir, dass aus uns nichts wurde. Er hat vielleicht die Nähe gesucht und ich habe aus Unsicherheit und Angst ihn unbewusst abblitzen lassen. Es tut mir leid.

Liebe war für mich immer ein hohes Ideal, so als würde ich sie auf einen Stuhl stellen, um nicht mehr dran zu kommen.

Als mein erster Schwarm meinen Wunsch nach einer Beziehung (14 Jahre – wir wollen miteinander gehen…) bestätigte, dachte ich mir: „Das kann doch nicht so einfach gewesen sein.“ Alles, was ich mir wünschte, ging doch nie in Erfüllung oder ich musste sehr lange dafür etwas tun. Liebe war für mich immer schwer zu erreichen, und vielleicht mache ich es mir jetzt deshalb auch so schwer und kann die Liebe auf Augenhöhe nicht annehmen, weil ich es nicht wahr haben kann, geliebt zu werden.

Vielleicht war ich mit dran beteiligt, dass solitary man sich nicht auf mich einließ, weil ich ihn sowie die Liebe hoch hielt und idealisierte, eine Maßstab festsetzte, dem wir drei Liebe – solitary man und ich nicht gewachsen waren.

Im Grunde ist die Liebe doch näher, simpler, als ich immer dachte. Sie muss nicht idealisiert werden, sie ist einfach da. Ich mache mir häufig über so viele Dinge Gedanken, statt sie einfach nur angstfrei anzunehmen. Ich muss lernen, die Liebe nicht auf einen Stuhl zu stellen, sondern sie in meinen täglichen, simplen Augenblicken wahrzunehmen und diese Momente wertzuschätzen, sie einfach zwar als Geschenk, aber nicht als unverdientes Geschenk anzunehmen.

I just want you to know who I am – solitary man or somebody else

Genau wie in der „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ ist es ähnlich. Wir Menschen habe Ideale, Motivationen, Verhaltensmustern hinterher zu eifern, ohne uns zu hinterfragen, wofür wir das eigentlich tun und ob der „einfachere“ Weg, wie ihn auch der Fischer geht, nicht zu demselben Ergebnis führen, ohne uns so viel unnötigen Stress zu machen.

2 thoughts on “Anekdote zur Senkung des Liebesideal oder I just want you to know who I am

  1. „Aber wer liebt, läuft immer Gefahr, verletzt zu werden. Das sehe ich ja jetzt. Ob ich solitary man meine Liebe gestehe oder nicht, ist letzten Endes egal, denn verletzt bin ich sowieso. Vielleicht wäre ich nicht so verletzt worden, wenn ich offener gewesen wäre.“

    Ich sehe das so:
    Je mehr man jemanden liebt, umso mehr Angst hat man, ihn zu verlieren. Das ist doch ganz normal! Hat man einen Diamanten zu Hause, sorgt man sich darum auch mehr, als um das alte Paar Socken, das in der Ecke liegt.
    Bezüglich dem Gestehen der Liebe ist es natürlich toll, wenn man das kann. Das habe ich auch schon gemacht. Es ging ganz schön in die Hose.🙂 Das Gute dabei war, dass ich anschliessend wusste, dass er kein Interesse an mir hat und mich entsprechend damit abfinden konnte. Ja, ich habe gelitten, aber ich hatte Gewissheit. Ich wusste, dass es nichts werden würde. Ich konnte endlich loslassen. Das ewige Hoffen hatte ein Ende.
    Wenn man sich liebt, so denke ich, ergeben sich die Dinge ganz von alleine. In dem du den ersten Schritt machst, kannst du die Sache immerhin ein bisschen beschleunigen.🙂

  2. Ja SchwarzeElster…wer Liebe zulässt macht seine Seele nackt und man kann so maßlos verletzt werden. Sei mutig…lass los und lass sie zu.

    Ich kann auch ein Lied davon singen, glaub mir und auch wenn ich verletzt wurde …ich bereue keinen Augenblick. Keine Verletzung war so groß, dass ich einen Moment des damals erlebten Glücks wieder hergeben wollte…

    Und vielleicht bekomme ich EyeCandy oder eben auch nicht…nur Gott allein weiß!

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