Everybody’s got a hungry heart – It’s a man’s world (Teil I)

1. Alleinstehende Frauen sind „Freiwild“

Ich las in dieser Woche mal wieder ein Buch und es inspirierte mich, meine Gedanken und Wahrnehmungen „zu Papier“ zu bringen, sofern man in der digitalen Welt noch von Papier sprechen kann. Es handelt sich dabei um einen Klassiker der Frauenliteratur: Marilyn French „Frauen“. Im englischen Original heißt es “ The women’s room“. Der Roman, der aus mehreren kleinen Geschichten von 16 verschiedenen Frauen handelt, beschreibt die Entwicklung der Frauenrolle seit den 50er Jahren bis hin zu den 70ern, in denen die Frauen versuchten, sich aus den Fesseln der Konventionen zu befreien. Was soll ich sagen, ich finde, die Welt hat sich nicht viel geändert. Um diese These zu verifizieren, muss ich weit ausholen und die Szenarien, welche im Roman geschildert werden mit Beispielen aus meinem Lebensumfeld vergleichen. Da ich mit „Vergleichender bzw. Komparativer Literaturwissenschaft“ vertraut bin, sollte mir das einigermaßen gelingen. Ich hoffe nur, dass meine männlichen Leser sich nicht angegriffen fühlen. Ich betone vorab, dass es solche und solche Männer gibt, aber immerhin gibt es auch Männer, die immer wieder versuchen, nur ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Heute Abend bin ich nur zu müde, dafür geht’s morgen genau an dieser Stelle weiter und wer kommentieren möchte, seine Erfahrungen niederschreiben möchte, sei herzlich eingeladen. Fortsetzung folgt […].

Zum Roman selbst…

Die Protagonistin dieses Romans ist Mira, deren Leben sich durch die Kapitel des Romans wie ein roter Faden zieht. Die Geschichte beginnt in den 40er-Jahren, als Mira noch zur Schule geht und wie ihre Mutter sie lehrt sich sittsam und angepasst zu verhalten. Ende der 40er/Anfang der 50er-Jahre fängt Mira am College an zu studieren, macht erste Erfahrungen mit Jungen und lernt dabei, wie es ist, wenn man als Mädchen keinen festen Freund UND kein Sexualleben hat. Sie trifft sich zwar mit Jungen, geht mit ihnen aus, aber sie möchte nicht mehr als das. Deshalb hat sie am College bei Jungen den Ruf „eines leichten Mädchens“. Die Jungen denken, wenn sie keinen festen Freund hat, habe sie nur flüchtige Affären und würde sich von Bett zu Bett schlafen.

Die erste Schlüsselszene

Dies ist die erste wirkliche Schlüsselszene, die mir in dem Roman aufgefallen ist – mal abgesehen von den Kommentaren ihrer Mutter, sie solle sich einen Hüfthalter anziehen, da ihr ansonsten die männlichen Wesen zu sehr auf den Hintern sehen, weil dieser sich dann zu sehr bewege. Was für ein Quatsch. Aber nun zurück zu dem „leichten Mädchen“. Ich kann nur für mich mit meinen Wahrnehmungen sprechen und ich muss sagen, dass ich diese Attitüde durchaus noch wahrnehme in der Gesellschaft. Es gibt sie noch die Miras, Lilys, Isos, Marthas und Adels in dieser Welt, die als Single leben und die Gesellschaft um sie herum ihre eigenen Geschichten über diese Singles spinnt: Sie seien Huren, Schlampen, haben es nötig, mit vielen verschiedenen Männern ins Bett zu gehen oder sie seien vertrocknete, verbitterte Weiber. Männer wie Frauen spinnen diese Texte* zusammen und bilden sich ihre Meinung, wozu sie laut der beliebtesten Gazette in Deutschland aufgerufen wurden. Sie dichten und spotten über Menschen und deren Leben, obwohl jene sie gar nicht kennen, nie mit ihnen reden und  sich sträuben, sich weiter mit ihnen auseinander zu setzen.

Es ist wie in dem Lied der Ärzte „Lasse redn“. Ja, dann tun sie nichts Schlimmeres. Aber es gibt sie noch, die Melanies im Sauerland, die als Singles auf Schützenfeste gehen und viele verheiratete Männer sich einfach das Recht nehmen, ihr an den Arsch zu fassen, weil sie ja Single ist und seine sexuellen Übergriffe ja benötigt, da sie keinen festen Freund hat. Es gibt sie noch die Gabrieles, die alleine abends durch die Stadt gehen und von wildfremden Männern angegraben werden, weil sie ja alleine, weil sie solo sind und dementsprechend die Männer das Recht haben, sie sexuell anzugraben. Sie haben ja keinen anderen. Norah Vincent betont das in ihrem Buch „Mein Jahr als Mann“, als sie sich mit einer Freundin zusammen, als Mann verkleidet, durch die nächtliche Großstadt spaziert. Die Männer hätten sie nicht angesehen, im Gegenteil sie habe sie respektvoll ignoriert. Dieses sei ihnen „als Frauen“ nie passiert. Da würden sie immer angesehen, angequatscht und vielleicht sogar peinlich angesprochen.

Ja, es gibt sie noch die Frauen, die naiv als Single durch die Welt gehen und gar nicht wissen, welchen Ruf sie haben und was sie mit ihrem Single-Dasein in den Köpfen ihrer Mitmenschen anrichten, welche Geschichten sie hervorrufen. Deshalb gibt es auch noch diese Witwen, die nach dem Tode ihres Mannes auf kein Fest mehr gehen, weil sie sich schämen, weil sie ahnen, wie grausam die erfundenen Geschichten ihrer Mitmenschen gedichtet und weitererzählt werden. Die alleinstehenden Frauen, welche am Wochenende schon um 06:00 Uhr aufstehen, um die Jalousien hochzuziehen, damit die Nachbarn nicht denken, dass sie noch im Bett -wohlmöglich noch unehelich mit einem Mann – liegen.

Und selbst wenn diese Frauen alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um keinen schlechten Leumund zu bekommen, wird trotzdem geredet, immer wieder geredet, gedichtet, geredet und Texte gesponnen, nur um ihr eigenes Leben, so wie sie es führen, zu legitimieren und lobzupreisen. Diesen Menschen – Männer wie Frauen – geht es selbst schlecht in ihrer Ehe, ihrem Leben, sie sind sich selbst ihrer Position nicht sicher und müssen sich über andere erheben, welche anders leben. „Das kann ja nur FALSCH sein, ansonsten wäre ich es ja und das können diese Menschen nicht aushalten.“, denken sie sich und sind blind für ihr eigenes Leben. Geredet wird von Männern als auch von Frauen.

Und es gibt sie noch diese Frauen, die „den untersten Weg“ aus Angst gehen, aber es gibt auch noch diese Männer, die sich spezielle Rechte herausnehmen, aus welchen Gründen auch immer. Eine Schlüsselszene und gleich so viele Beispiele aus dem aktuellen Leben, aber es geht noch weiter… *Text: ( lateinisch für texere ‚weben‘, ,flechten‘)

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