Everybody’s got a hungry heart – It’s a man’s world (Teil II)

2. Sex – Schwangerschaft – Abhängigkeit

Obwohl Mira, die Protagonistin, zunächst nicht mehr mit Männern ausgehen möchte, fasziniert sie ein Junge an ihrem College – Lanny. Er sei anders als die Anderen, etwas unsicher und ungeschickt. Sie entschließt sich, mit ihm auszugehen. Sie zeigt erste Anzeichen des Verliebtseins: Sie ist nervös, sie fühlt sich zu ihm hingezogen und sie lässt es zu, von ihm geküsst zu werden, etwas das sie sonst immer widerlich fand.

Zunächst schien Lanny auch zurückhaltend zu sein, was das Thema „Sex“ angeht. Er bedrängt sie nicht. Sie verabredet sich wieder mit ihm. Er holt sie ab, stellt sie seinen Freunden vor. Schnell merkt sie, dass Freude, Spaß und Vergnügen für Lanny besonders wichtig sind. Er ist Musiker und er genießt den Applaus sowie die Beachtung. Sie läuft mehr oder weniger nur „nebenbei“, macht alles mit und scheint sich selbst zu vernachlässigen. Nicht selten wird sie nicht von ihm nach Hause gebracht, sondern von einem seiner Freunde.

Da sie von anderen Männern als Lannys „Eigentum“ betrachtet wird, wird sie weniger von denen angemacht oder als „leichtes Mädchen“ betrachtet. Miras Beziehung zu Lanny wird intensiver und mittlerweile wünscht er sich auch Sex von ihr. Von ihrer Mutter weiß Mira, dass Sex „gefährlich“ ist und zwangsläufig zur Schwangerschaft und somit auch zur Ehe sowie zur damit verbundenen Abhängigkeit führt. Selbst Lannys Argument „er würde etwas benutzen“ – wahrscheinlich ein Kondom – kann sie nicht umstimmen. Sie lehnt Sex ab. Für sie ist es eine Horrorvorstellung, alleine zu Hause zu sein, die Wohnung zu säubern und sich alleine um die Kinder zu kümmern, während der Mann sich um die wichtigen Dinge kümmert, die essentiellen Entscheidungen trifft, mit Freunden säuft und sie von allem wichtigen ausgeschlossen ist. Sie hat Angst vor dieser Form der Abhängigkeit und möchte lieber frei sein. Die Konsequenz ihrer Entscheidung ist, dass Lanny sie nicht mehr so häufig anruft und der Kontakt nachlässt.

Wieder erlangt Mira den Ruf eines „leichten Mädchens“ oder eines „losen Biestes“, welches nur flirten will, nur ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen möchte und sich auf nichts Ernstes einlassen möchte. Ihr Umfeld interpretiert dieses als „schlecht“.

Einige Zeit später meldet sich Lanny wieder und will mit  Mira ausgehen. Während der Fahrt in eine Lokalität versucht er Mira ein schlechtes Gewissen zu machen, in dem er ihr sagt, dass ihre Abneigung zu Sex in dazu gezwungen habe, die Campus-Prostituierte aufzusuchen.

Als sie in der Bar ankommen, lässt er sie den ganzen Abend alleine bei seinen Freunden. Mira selbst trinkt viel Alkohol, ist ausgelassen und tanzt – auch mit anderen Männern. Einer der Jungen, der auch zu Lannys Clique gehört, nimmt sie von der Tanzfläche und bringt sie in sein Apartment – wie sich herausstellt zu ihrer Sicherheit. Die anderen Männer hatten nämlich vor, sie zu vergewaltigen. Ein Mädchen, welches betrunken ist, ausgelassen tanzt, solch ein Mädchen ist doch auf Sex aus, oder?

Als Mira am nächsten Morgen bei diesem Jungen aufwacht und davon erfährt, ist sie schockiert. Schnell wird ihr klar, dass Frauen, welche allein durchs Leben gehen wollen, frei sein wollen und gerne Spaß am Tanzen haben, in Gefahr sind. Die einzigen beiden Möglichkeiten für ein sicheres Leben scheinen ihr in diesem Moment entweder die Ehe oder das Kloster zu sein.

Sie entschließt sich für die Ehe und heiratet Norm, der Sohn einer befreundeten Familie und ein Medizinstudent. Hier sucht sie statt der Selbstständigkeit die überlebenswichtige Sicherheit. Sie gesteht sich ein, kapituliert zu haben. Sie hat aufgegeben, sich dem Leben und dessen Gefahren zu stellen. Zusammen mit Norm zieht sie in ein möbliertes Zimmer.

Und nun zur Gegenwart…

Bevor ich meine Wahrnehmungen und Ansichten niederschreibe, möchte ich betonen, dass nicht alle Männer gleich sind. Es gibt viele Männer, die von ihren Frauen oder sogar ihren Müttern unterdrückt und manchmal sogar geschlagen werden. Nicht alle Männer sind gleich, nicht jeder Mann hat das Bedürfnis, sich über eine Frau zu stellen, um selbst der Held zu sein.

Aber es gibt sie noch, diese Paare, diese Frauen und diese Männer, diese verseuchten Beziehungen, in denen die Frau die Drecksarbeit macht, ihrem Mann den Rücken frei macht, damit dieser sich voll und ganz seiner Karriere widmen kann.

Es gibt sie noch die Stefans, die meinen, in der DDR sei es besser gewesen, eine Frau fürs Leben zu finden. Ja – weil die politische und wirtschaftliche Lage sie dazu gezwungen bzw. animiert hat. Es gibt sie noch, die Davids, die stets in das Leben einer Frau eingreifen. Sie geht mit einem Bekannten einkaufen, will bei Ikea an der automatischen Kasse mit EC-Karte einkaufen, und David tippt alles, bis auf ihre PIN, ein. Er macht sie unselbstständig.  Aber es gibt sie noch die Norms, Lannys und Bens, welche die Selbstständigkeit einer Frau fürchten und es lieben, eine Frau zu entmündigen. Es gibt sie noch die Daniels dieser Welt, die neben Karin im Auto sitzen und versuchen, ihr die Welt zu erklären, die im Stau die Warnblinklichtanlage sofort wieder ausschalten, welche sie aus Vorsicht angeschaltet hat, damit ihr keiner hinein fährt, angeschaltet hat.

Es gibt ihn noch, den Tobias, der versucht, die Katrin von einer Promotion mit den Argumenten „eine Frau geht nur als Mutter voll und ganz auf“ abzuhalten. Der Tobias, der selbst promovieren will und erst mit 50 von Katrin ein Baby haben will und sie bis dahin arbeiten darf, aber sich voll und ganz den Kindern und dem Haushalt widmen darf, damit Tobias der gemachte Mann ist und den Rücken frei hat für seine Karriere.

Es gibt sie noch die Frauen, die sich nur in einer Ehe sicher und geboren fühlen, in Ehen, in denen sie nicht entscheiden dürfen, weil ihnen der Mut genommen worden ist, ihren eigenen Wahrnehmungen, Entscheidungen und Gefühlen zu trauen. Denen Angst gemacht worden ist, alleine durchs Leben zu gehen und die in der Ehe eine Art Asyl oder Zuflucht suchen.

Es gibt ihn noch den Piet, bei dem nur seine Meinung die Richtige ist und wenn Daniela anderer Meinung ist, wird sie von seiner Meinung überzeugt. Nur er hat das Patent auf die Wahrheit. Ihn überzeugen nur Fakten und ihre Position wird solange unterjocht, bis sie seine Meinung akzeptiert und davon überzeugt ist. Egal, ob er auf dem Holzweg ist oder nicht.

„Nein, Fenster auf Kippe macht keinen Schimmel.“ Nee, ist klar!

Frauen machen alles falsch und Männer machen alles richtig, obwohl danach das totale Chaos herrscht.

Just heute habe ich die Titelseite der Bildzeitung gelesen und ich schäme mich, zugeben zu müssen, dass ich sie auch noch gekauft habe.

Der Titel lautet, Feministinnen, frei Denkende beider Geschlechter und klardenkende Bevölkerung haltet Euch gut fest, der Titel heißt: Warum wollen deutsche Frauen keine Babys?- Zu emanzipiert? Zu feige? Oder sind die Männer schuld?

Der größte Artikel trägt den Namen „Ist der Feminismus schuld, dass wir keine Kinder mehr bekommen?

Zunächst zur Sachlichkeit: Wer sind wir? Warum keine Kinder? Sachlicher wäre gewesen, liebe Bildredakteure weniger Kinder, denn es gibt noch deutsche Frauen, die Kinder bekommen.

Die Schlagzeilen finde ich ziemlich provokant, überdreht und zum Teil – wie oben begründet- auch falsch bzw. polemisch. Aufgeführt werden Statistiken, dass Frauen mit Kindern seltener arbeiten und der Teil der männlichen Arbeitskräfte höher sei, wenn sie Väter sind als wenn sie kinderlos sind.

Die allererste These ist: Schuld ist die Emanzipation. Sie könnte ja auch lauten, dass die Männer mit ihrem Drang zur Selbstverwirklichung schuld daran sei. Aber das ist ja unwahrscheinlich, weil berufstätige Männer es besser haben als berufstätige Frauen. Väter müssen ja schließlich die Möglichkeit haben, ihre Familie zu ernähren, die Frau schafft das ja nicht. Sorry, aber so klingt das für mich, auch wenn niemand den Mut hat, das so auszudrücken.

Die vierte These hat mich auch erschüttert! „Wären wir religiöser, gäbe es auch mehr Kinder!“

5. Wir sind eine Gesellschaft von Schissern. Ja, jetzt werden die Menschen schon dafür bestraft, wenn sie nachdenken, ein Kind in die Welt zu setzen, wenn sie die finanziellen, ökonomischen und ökologischen Gefahren dieser Gesellschaft und Welt erkannt haben und es für sinnvoller halten, keine Kinder in die Welt zu setzen. Kant dreht sich im Grabe um! Von wegen kategorischer Imperativ und habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Nein, sei dumm, hör auf, nachzudenken und setzt planlos und sinnlos Kinder in die Welt – scheiß egal, mit welchem Geld.

Es sei „unreif sich nicht festlegen zu wollen“. Mira hat sich aus Angst festgelegt, weil sie sich nicht traute, mutig zu sein, sich nicht traute, selbstständig zu sein, hat sie geheiratet und aufgeben. Ich persönlich weiß nicht, was daran unreif sein soll, Angst vor der Zukunft zu haben, weil man die Missstände der Gegenwart innerhalb der Gesellschaft erkannt hat. Für mich haben diese Menschen sich festgelegt.

Habe Mut, dumm zu sein – Stultus aude! (Ich kann Latein, ich fand auch keine 1:1 – Übersetzung, vielleicht belehrt mich jemand.)

Ein Grund mehr für die bildungsferne und bildzeitungsnahe Schicht, viele Kinder in die Welt zu setzen. Wir sind Mutti, Papst und extrem mutig!

Ganz zum Schluss werden die Männer erwähnt  – ein Glück, dass es ja auch noch die Möglichkeit geben könnte, sie seien schuld! Welch Siegeszug der Gleichberechtigung. Die Bildzeitung hat wirklich nicht nur ein Herz für Kinder, sondern auch für Frauen. Kein Wunder, dass eine Frau wie Alice Schwarzer für eine solche Gazette als Feministin Werbung machen muss – nur konsequent, sage ich da.

Ich will nicht dementieren, dass es diese Aspekte in unserer Gesellschaft gibt. Aber erstens können wir bzw. sollte die Bildzeitung Menschen gegen ihren Willen zu überzeugen, doch Kinder in die Welt zu setzen? Sollte Mann/Frau/Bildzeitung/Politik und Kirche nicht die Meinung, Einstellung und die Angst zum Kinderkriegen stillschweigend akzeptieren?

Klar gibt es Aspekte innerhalb der Gesellschaft, die es willigen Frauen und Männern erleichtern würde, IHREM WUNSCH ein Kind (oder mehrere Kinder) in die Welt zu setzen, entgegenzukommen. Hierzu nenne ich: genügend KITA-Plätze, finanzielle Entschädigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter.

In unserer Gesellschaft wird momentan stets über eine Frauenquote in Führungspositionen gesprochen. Warum wird nicht über eine Männerquote (komischerweise kennt die WordPress-Korrektur nur Frauenquote, aber keine Männerquote) in Pflegeberufen gesprochen? Warum ist der Ausdruck „alleinerziehende Mütter“ so viel häufiger zu finden, als „alleinerziehende Väter“. Dabei gibt es auch jene Väter, die von ihren Frauen, allein gelassen werden und die haben es weiß Gott nicht einfacher!

Für mich hört sich das alles so an, als sollte man und vor allem Frau sich wieder dem widmen, wozu sie bestimmt sind. Was Deutschland benötigt, sind keine Individualisten, Menschen, die reflektieren und Egoisten, sondern Menschen, die ihr Leben einer Familie (ver-)schenken!

Nun zu mir, ich meine wer schon mit dem Zeigefinger auf Andere zeigt, muss auch selbst Position beziehen: Ich hätte gerne eine eigene Familie, scheue mich nicht, Kinder in die Welt zu setzen und vermisse es fast schon schmerzlich, Mutter zu sein. Nur leider habe ich niemanden, mit dem ich eine Familie gründen könnte. Freiwillig möchte ich nicht alleinerziehend sein, auch wenn ich es finanziell schaffen würde, für mich und ein Kind zu sorgen. Nichtsdestotrotz wäre es schon besser, einen Gleichgesinnten zu finden, mit dem man gemeinsam ein Kind großzieht. Gemeinsame Freuden und Leid teilen kann, kreativ und gestalterisch das Projekt Familie ausleben kann. Aber dieses Glück ist mir bis jetzt nicht zuteil geworden. Aber ich werde ganz bestimmt keine Kinder in die Welt setzen, nur weil die Bildzeitung das für gut heißt und mich dazu überredet! Ich bilde mir meine eigene Meinung – und dazu wurde ich ja Gott sei Dank aufgefordert.

5 thoughts on “Everybody’s got a hungry heart – It’s a man’s world (Teil II)

  1. Ganz viel Wahrheit. Und eines möchte ich noch hinzu fügen. Es gibt in der Arbeitswelt da noch ein Paradeexemplar, dass es offenbar einen Unterschied macht, ob sich der Mann oder die Frau morgens um das Kind/die Kinder kümmert. Kommt er zu spät, heißt es: „Schau mal, den tollen Vater an. Kümmert sich um die Kinder. Wirklich bemerkenswert.“ Kommt sie zu spät: „Schau mal, die kriegt es nicht mal auf die Reihe, dass sie das Kind/die Kinder rechtzeitig fertig kriegt und dann pünktlich ist.“ Und das selbst, wenn sie alleinerziehend ist. Tja, da kommt doch so ein Bild-Artikel gerade recht. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Wenn ich später mal oben bei Jachwe bin, werde ich ihn fragen, warum er einem so kleinen Stück Rippe eine derartige Bürde auferlegt hat.

    Iwie dünkt mich, dass sich dein Artikel ohne weiteres auch von der entgegengesetzten Perspektive schreiben lässt.

    Was ist also die Quintessenz des Ganzen? Ehe ist Knast und Kinder wie lebenslänglich – Einmal 25 Jahre und danach ist man wieder frei?! Wer ist jetzt der Delinquent in der Geschichte: Mann, Gesellschaft oder doch die Frau?

    Liebe Grüße

    • Hi McAllister,
      ja wer ist der Delinquent? Gute Frage. Ich weiß es nicht. Ich will auch keinen anklagen. Der Artikel ist nur der Versuch, meinen Wahrnehmungen in Worte zu fassen. Ich denke, es ist die Kombination vieler Einflüsse. Aber vielleicht liegt es auch in der Natur der Sache, dass der Mann sich durchsetzen muss und die Frau sich unterordnet. Aber es gibt auch andere Männer!!!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s